Schwierige Kindheit. Grundlegende Voraussetzung für Charisma?

11702803_381767465360290_8092932530178082161_n-100x100
Mittwoch bis Freitag der vergangenen Woche haben einige am Thema Charisma interessierte Kolleginnen und Kollegen aus den Disziplinen der Psychologie, der Kommunikationswissenschaften, der Neurologie sowie der Führungskräfte-, Personal- und Persönlichkeits-Entwicklung im schönen Binz auf Rügen die Köpfe zusammen gesteckt und u.a. über verschiedene Biographien diskutiert, die sie in jüngerer Vergangenheit gelesen haben.

Es handelte sich dabei um Biographien berühmter Persönlichkeiten, denen allgemein Charisma zugesprochen oder zugeschrieben wird. Um nur einige Namen zu nennen: Mahatma Gandhi, Nelson Mandela, John F. Kennedy, Steve Jobs, Joschka Fischer, Dr. Martin Luther King und Adolf Hitler.

Neben der Betrachtung einiger anderer Aspekte war es das Ziel des Austauschs zu den Biographien herauszufinden, ob und wenn ja welche Ähnlichkeiten oder gar Übereinstimmungen in den Lebensläufen dieser Persönlichkeiten festzustellen sind. Signifikant war die Tatsache, dass allen charismatischen Persönlichkeiten gemein ist, dass sie eine schwierige Kindheit und oder auch Jugend hatten. Sie alle sind mehr oder weniger auf ungeraden Wegen ins erwachsene Leben (fast möchte man sagen) gestolpert. Und auch ihr Leben als erwachsene Menschen war alles andere als geradlinig.

Nach der Entdeckung dieser besonderen Auffälligkeit haben wir gemeinsam so gut es in der Kürze der Zeit möglich war in unterschiedlichen Quellen die Lebensläufe weiterer berühmter und charismatischer Personen recherchiert. Auch hier die identischen Erkenntnisse. Die vom Kreis der an der Charisma Klausur teilnehmenden Personen gemachte Beobachtung deckte sich damit weitgehend mit den Aussagen des Psychologen Alfred Adler, der in seinem Buch Menschenkenntnis ausführt, dass die Psyche des Menschen vergleichbar sei mit einer Feder.
Je mehr man sie nach unten drückt, desto höher schnellt sie empor, sobald man sie los lässt. Ist der Druck allerdings zu stark, zerbricht sie.

Die in seinem v.g. Buch beschriebenen Personen zur Untermauerung seiner These sind zum Beispiel Ludwig van Beethoven, der von Geburt an einen Gehörfehler hatte und der Menschheit wunderschöne
Sinfonien hinterlassen hat. Peter Tschaikowski, der homosexuell gewesen sein soll und einige der schönsten heterosexuellen Liebesgeschichten vertont hat. Napoleon, dessen kleiner Körper sich diametral zur Größe seines Herrschaftsanspruchs verhielt. Und viele andere mehr.

Sollte daraus der Schluß gezogen werden können, dass man Menschen einfach nur eine schwierige Kindheit bescheren und sie in schwierigen Rahmenbedingungen aufwachsen lassen muß, um ihnen zu Charisma zu verhelfen? Und welche Eltern oder für das Aufwachsen der Kinder zuständigen Personen sollten und wollten die Verantwortung dafür übernehmen, jungen Menschen den Weg ins Leben vorsätzlich zu erschweren? Zu groß ist vermutlich auch die Zahl derer, die ebenfalls einen komplizierten Eintritt ins erwachsene Leben hatten und trotzdem keine charismatische Persönlichkeit geworden sind.

Braucht man überhaupt Charisma? Wozu ist es gut? Helmut Schmidt, Bundeskanzler a.D. schrieb in seinem 2008 veröffentlichten Buch „Außer Dienst“, dass charismatische Politiker in diesen Zeiten dringender denn je vonnöten wären, da sie ihren Wählern unpopuläre politische Entscheidungen verkaufen müssten. Und er attestiert ebenfalls, dass diese Spezies insbesondere unter den Politikern der Bundesrepublik Deutschland rar gesät sei. Diese Forderung einerseits und Beobachtung andererseits lässt sich wohl auch auf die Chefetagen allein der 100 größten DAX-Unternehmen übertragen.

Spätestens hier stellt sich die Frage, ob sich Charisma denn grundsätzlich überhaupt trainieren lässt und wenn ja, wie. Auf diese Frage haben die Personen, die an der v.g. Charisma-Klausur in Binz teilgenommen haben ebenso einige interessante Ansätze zur Beantwortung gefunden, wie auf die mit der Überschrift dieses Artikels gestellte: Ob nämlich eine schwierige Kindheit grundlegende Voraussetzung für Charisma ist. In diesem Blog werden wir über die Ergebnisse der Diskussion berichten. Selbstverständlich freuen wir uns aber auch schon vorher über Eure Kommentare und Meinungen dazu. Herzliche Grüße – Andreas Bornhäußer

1 Antwort

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.