Liegt Charisma in der Natur des Menschen?

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Im letzen Blog-Beitrag habe ich damit begonnen über die Inhalte und Ergebnisse unserer Charisma-Klausur in Binz an der Ostsee zu berichten. Unter anderem hat der teilnehmende Personenkreis (den ich im übrigen zukünftig nur noch als den Binzer-Kreis bezeichnen werde)über die Fragen diskutiert, ob sich Charisma grundsätzlich überhaupt trainieren lässt und wenn ja, wie und ob eine schwierige Kindheit. grundlegende Voraussetzung für Charisma ist.Auffällig war in den Biographien charismatischer Persönlichkeiten die Gemeinsamkeit, dass sie alle eine aus unterschiedlichen Gründen mehr oder weniger schwierige Kindheit und Jugend hatten. Würde man daraus die Schlußfolgerung ableiten, dass dies eine Grundvoraussetzung für Charisma ist, würde dies in der Konsequenz bedeuten, dass Charisma ein Ergebnis des Sozialisierungsprozesses ist. Dem gegenüber steht jedoch der Mythos „Charisma ist die von Gotte gesandte Gnadengabe“, der sich als Definition nach wie vor hartnäckig in allen einschlägigen Enzyklopädien hält.

Das charismatische Gen

Und genau hier kamen wir an einer der bis heute unbeantworteten Fragestellungen, mit denen sich die Menschheit seit Urzeiten beschäftigt: War erst die Henne oder erst das Ei? Übertragen auf unseren Betrachtungsgegenstand entbrannte eine hitzige Diskussion darüber, wie sich der Anteil der genetischen Prädisposition in bezug auf Talente, Persönlichkeitsmerkmale und Charaktereigenschaften eines Menschen in Relation zu dem Anteil der durch pränatale Prägungen und anschließende Erziehungsprozesse verhält. Verständigen konnten wir uns im Binzer-Kreis schließlich auf die folgende Formulierung: Jeder Mensch wird mit einer charismatischen Grunddisposition geboren.Ebenso, wie jeder Mensch über ein musikalisches, altruistisches, egoistisches, ehrgeiziges, faules, achtsames, schwaches, starkes (und so weiter) Gen geboren wird.

Schaut man sich im esoterischen Kontext um, begegnet man Hermes Trismegistos, dem die Formulierung der Grundannahme zugeschrieben wird: Der Makrokosmos ist im Mikrokosmos. Der Mikrokosmos ist im Makrokosmos. (=Hermetische Schriften – Umstritten ist, ob diese tatsächlich auf Hermes Trismegistos zurückzuführen sind). In den christlichen Religionen heißt es: Gott ist in Dir. Folgt man diesen Gedanken, ist also im übertragenden Sinn alles drin.

Und dann „landet“ der Mensch in einem bestimmten geographischen Umfeld sowie sozialen Kontext. Aus welchen Gründen auch immer er genau dort landet, wo er landet, soll und kann hier nicht weiter diskutiert werden. Nicht von der Hand zu weisen ist allerdings die Erkenntnis, dass diese geographischen und sozialen Kontext nun maßgeblich darauf Einfluss nehmen, wie sich die grundsätzlich vorhandenen Anlagen entwickeln und entfalten. Im Verlauf dieses Prozesses entscheidet sich, was von dem, was drin ist, auch tatsächlich heraus geholt und zum Erstrahlen gebracht wird.

Halten wir also fest: Der Binzer-Kreis kam zu der Annahme, dass Charisma grundsätzlich in der Natur des Menschen liegt. Basierend auf dieser Annahme ist der weiterführende Gedanke zulässig, dass es dann auch möglich sein müsste, diese jedem Menschen mit auf den Weg gegebene Qualität zum Leben zu erwecken. Dazu mehr im nächsten Blogbeitrag.

1 Antwort
  1. Maximilian March
    Maximilian March sagte:

    Herzlichen Dank für diesen Beitrag, dem ich einen anderen Betrachtungswinkel hinzufügen möchte:

    Charisma ist – wie ich es verstehe – keine Eigenschaft eines Menschen, sondern ein Attribut, welches einem Menschen zugesprochen wird. Die Zuschreiben von Charisma ist demnach eine Reaktion auf einem Menschen. Neben dem Verhalten dieses als charismatisch bezeichneten Menschen spielt der Kontext und damit die Erwartungshaltung der Bewertenden eine Rolle. Menschen, die als charismatisch bezeichnet werden kennen ihre Gegenüber, sind sich klar über den Kontext und entsprechen oder übertreffen die an sie gestellte Erwartungshaltung und kommunizieren auf unwiderstehlich empfundene Art und Weise mit dem Gegenüber bzw. einem Großteil der Gegenüber.

    Was kann man lernen um das Etikett Charisma zu erlangen?

    1. Kenne den Kontext
    2. Kenne deine gegenüber
    3. Kenne die Wahrnehmungskanäle
    4. Kenne die Wahrnehmungspräfeerenzen
    5. Kenne die Erwartungshaltung an Dich
    6. Lerne auf den Wahrnehmungskanälen zu kommunizieren, die von Dir erwartet werden.

    Wenn jemand in konkreten Situationen eine Unwiderstehlichkeit entwickeln möchte, die als charismatisch bezeichnet wird, muss er lernen auf allen Wahrnehmungskanälen zu kommunizieren. Hat er es einmal „geschafft“ und bewegt er sich in einem Wiederkehrenden Kontext und einer wiederkehrenden Erwartungshaltung kann er sich auf seine Kernkompetenzen in der Kommunikation konzentrieren.

    Ist Charisma also trainierbar? Eher nein. Ist es trainierter, dass die Wahrscheinlichkeit steigt immer öfter und in unterschiedlichen Kontexten und Aufgabenstellungen unwiderstehlich zu wirken und Menschen für sich zu gewinnen? Ein klares ja! Die Zuschreiben von Charisma ist und bleibt ein Attribut und eine Ehre, die von Anderen verliehen wird.

    Ist Charisma eine natürliche Gabe? Es gibt Menschen, die ohne besonderes Training die innere Klarheit und Wahrnehmungsfähigkeit entwickeln und das Attribut Charisma zugeschrieben bekommen. Es wäre interessant zu untersuchen wie diese Menschen in welchem Stadium ihres Lebens in welchem Kontext unter welcher Erwartungshaltung verhalten haben.

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