"Binzer-Kreis" hält Charisma für trainierbar.

P5310018-100x100„Charisma ist kein Phänomen, das aus sich selbst heraus und isoliert existiert.Charisma kann nur in der zwischenmenschlichen Begegnung entstehen. Ohne, dass Person A Person B begegnet und Person B anschließend Person A für charismatisch hält, gäbe es dieses Phänomen nicht. Wir haben es also mit einer sozialen und/oder kommunikativen Erscheinung zu tun. Sie entsteht während der Interaktion zwischen Menschen durch die Aktion des Einen und die Beobachtung und Bewertung dieses Einen durch Andere.“ Auf diese gemeinsame Betrachtungsweise konnte sich der Binzer-Kreis verständigen.

Und er bestätigte damit die der S.C.I.L.Performance Strategie zugrunde liegende Annahme, dass man die Einflussgrößen identifizieren müsse, die die Qualität zwischenmenschlicher Begegnungen bestimmen, um Charisma erstens konkret und zweitens bestenfalls auch trainierbar zu machen.In der anschließenden Diskussion wurde eine weitere Grundannahme der S.C.I.L.Performance Strategie kritisch hinterfragt. Die Behauptung nämlich, dass die Qualität zwischenmenschlicher Begegnungen maßgeblich bestimmt wird durch die Wirkung, die die sich begegnenden Menschen aufeinander ausüben und aneinander wahrnehmen.“ Stein des Anstoßes und Anlass zur Kritik für einige der Teilnehmer des Binzer-Kreises war die Tatsache, dass diese Grundannahme bedeuten würde, dass sich Charisma ausschließlich aus ausserpsychischen und nicht aus innerpsychischen Quellen speist.

Charisma umfasst inner- und ausserpsychische Dimensionen

Gemeint sind hiermit zum Beispiel die aussen sichtbare Körper-Haltung und die im Innen darunter liegende auf den ersten Blick nicht sichtbare Haltung eines Menschen. Wie glaubwürdig eine Person im wahrsten Sinne des Wortes selbstbewusst „auftritt“ ist erheblich von dem dieser Person innewohnenden Selbstwertgefühl getragen. Und inwieweit eine andere Person diesen „Auftritt“ auch tatsächlich als selbstbewusst wahrnimmt und für glaubwürdig hält, ist in starken Maße widerum abhängig von deren eigenem Selbstbewertgefühl und der inneren Haltung, selbstbewussten Menschen gegenüber. Insofern handelt es sich bei Charisma um eine Kombination aus inner- und ausserpsychischen Dimensionen gleichermaßen. Und die mit der S.C.I.L.Performance Strategie postulierte Definition, dass Charisma die optimale Mischung aus Wahrnehmungs- und Wirkungskompetenz ist fand zumindest die Akzeptanz der Mehrheit des Binzer-Kreises.

Das Außen ist trainierbar, das Innen reflektierbar.

Im Inneren des Menschen brodelt ein mächtiger Cocktail der sich zusammensetzt aus unbewussten und bewussten Motivationen, Temperamenten, Denkstilen und Verhaltensmustern die bewusste und unbewusste Kompetenzen zur Folge haben. Bis zu einem gewissen Grad kann dieser Cocktail auf seine Ingredienzien hin untersucht und damit auch reflektiert werden. Hierbei können akreditierte Psychoanalytiker und Psychotherapeuten wissenschaftlich fundiert wertvolle Hilfestellung leisten. Zusätzlich bieten sich zahlreiche Persönlichkeits-Modelle und -Analysen ein, bei deren Interpretation die in den jeweiligen Modellen zertifizierten Coaches und Trainer unterstützen. Wer sich einen umfassenden Überblick über die aktuell etabliertesten Modelle verschaffen möchte, dem sei das im Frühjahr 2015 im Gabal Verlag erschiene Große Handbuch der Persönlichkeitsanalysen empfohlen. Durch die Reflektion der Cocktail-Zutaten kann im günstigsten Fall eine neue Mixtur entstehen, die im Außen für andere Menschen wahrnehmbar wird. Ob dieses Reflektieren, Erkennen, Verstehen und bewusste (Neu)Bewerten nun ausschließlich auf kognitivem Weg erfolgt oder ob und wie viele affektive Elemente enthält, dürfte eine untergeordnete Rolle spielen. Der Weg an sich führt vom Innen zum Außen. Und es handelt sich um kein Training sondern um eine „Anschauung“ im übertragenden Wortsinn.

Wie aber wird das Ergebnis der neuen Mixtur für andere Menschen wahrnehmbar? Um nur drei Beispiele zu nennen: Menschen wenden sich anderen mit höherer Aufmerksamkeit zu. Sie interessieren sich spürbar intensiver, stellen Fragen und resonieren auf die erhaltenen Antworten. Weil Sie den Wert der Andersartigkeit von Anderen neu bewertet haben. Oder sie wirken auf andere entspannter durch eine geringere Körperspannung, weil sie ihren Frieden mit ihrer eigenen Anatomie und Physiognomie gemacht haben. Oder sie wirken auf andere klarer und strukturierter, weil sie zunehmend Ihre eigenen Ziele mitteilen und sich besser auf die Begegnungen mit anderen Menschen vorbereiten. Die dahinter liegende innere Prozess war möglicherweise die Erkenntnis, wie sehr Der- oder Diejenige sich bisher durch einen tendenziell chaotischen Lebensstil das eigene Leben gemacht hat.

Alle diese Facetten lassen sich aber eben auch im Außen trainieren: Der bewusste Auf- und Abbau von Körperspannung, die Atmung, das Fragen Stellen und genaue Hinhören,Gesprächsvorbereitung und Agenden, et cetera. Die gute Nachricht ist, dass sich das stetige Trainieren im Außen mittel- und langfristig auch auf das Innen auswirken kann. Weil im Menschen eine kontinuierliche Interaktion zwischen außen und Innen stattfindet. Insofern ist eines der Diskussionsergebnisse der Charisma-Klausur auf Binz die Annahme, dass Charisma trainierbar ist. Bevor ich in diesem Bog auf die weiteren der für Wirkung- und Wahrnehmung relevanten Facetten eingehe, werde ich im nächsten Blogbeitrag eine Gegenrede zu der von Fredmund Malik publizierten kritischen Betrachtung von Charisma veröffentlichen.

Wer mehr über den Binzer-Kreis erfahren möchte, findet Informationen hierzu im Blogbeitrag vom 13. Juli 2015.

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