Beiträge

Manipulation macht gesund.

Wenn Jeder jedes Gespräch so führen würde, dass es dem Anderen und ihm selbst nach der Begegnung besser geht, würde rund ein Drittel aller negativen Stressquellen entfallen. Denn der sogenannte Disstress kommt

1. von schlechten Umfeldbedingungen wie z.B. Lärm, Licht, unergonomischen Arbeitsplätzen, etc.

2. unerledigten Aufgaben, nicht erfüllten Erwartungen oder nicht umgesetzten Vorsätzen und

3. schlecht gelaufenen Meetings und Gesprächen.

Wäre der Mensch in der Lage, alle seine Begegnungen erfreulich und erfolgreich zu gestalten, würde die Quelle No 3 für negativen Stress zumindest teilweise oder im günstigsten Fall sogar ganz versiegen. Weniger Stress steigert das Wohlbefinden des Menschen und ist deshalb gut für seine Gesundheit. Was aber hat das mit Manipulation zu tun?

Die Antwort auf diese Frage steckt schon im sechsten Wort dieses Beitrags: Vom FÜHREN ist die Rede. Gemeint ist damit die Fähigkeit, den Verlauf der Begegnung so zu steuern, dass am Ende das gewünschte Ergebnis erzielt wird. Ganz im ursprünglichen Bedeutungssinne des Begriffes Rhetorik. So ist zum Beispiel in der Brockhaus-Enzyklopädie nachzulesen: Rhetorik ist die Fähigkeit, Menschen durch das gesprochene Wort schnell und überzeugend für eine Ansicht zu gewinnen und sie nachhaltig zur gewünschten Handlung zu bewegen. Oder in anderen Worten: Es geht darum Menschen zu manipulieren.

Schade nur, dass das Manipulieren so in Ungnade gefallen ist. Zumeist ist es negativ besetzt und wird in dem Sinn verstanden, dass eine Person zu ihrem eigenen Vorteil eine andere Person beeinflussen und schlimmstenfalls sogar gegen deren eigentlichen Willen zu einer Handlung bewegen will. Der Manipulierte wird zu einer fremdbestimmten Person, deren freier Wille durch die Manipulation eingeschränkt oder abhanden gekommen ist.

Dabei ist der Manipulation in ihrem ursprünglichen Wortsinn eine Menge Positives abzugewinnen. Zusammengesetzt aus den beiden lateinischen Vokabeln „Manus“ die Hand“ und „piere = füllen“ bedeutet es zunächst einfach nur eine Hand voll haben oder etwas in der Hand haben. Gemeint ist damit die Handhabung, ein Handgriff oder Kunstgriff. In der Krünitz-Enzyklopädie steht „Insbesondere heißt Manipulation aber die Bearbeitung, Berührung und Streichung eines Körpers mit der Hand, um heilsame Veränderungen in demselben zu bewirken.“

Na bitte, da hätten wir es doch: Es geht darum, durch die richtige „Handhabung“ zur Genesung eines Menschen beizutragen. Und genau so verhält es sich in dem Fall, in dem ein Mensch den Verlauf seines Gespräches steuert und damit die Gedanken seines Gesprächspartners in die beabsichtige Richtung lenkt. Das wäre die „richtige Handhabung“ von Rhetorik. (In diesem Zusammenhang sei der Hinweis auf mein nächstes Rhetorik-Seminar vom 12. bis 13. August 2019 in Berlin gestattet. Hier der Info- und Anmeldlink.

Einer kleinen aber wichtigen Ergänzung bedarf es an dieser Stelle: Eine „richtige Handhabung“ ist es nach meinem Verständnis immer nur dann, wenn dem Führen des Gespräches oder Lenken der Gedanken des Gesprächspartners eine positive Absicht zugrunde liegt. Und unter positiver Absicht verstehe ich in diesem Zusammenhang die wohlwollende Haltung des Lenkenden, der einen Zustand herstellen will, in dem es beiden Seiten nachher besser geht. Nur dann ist Manipulation gut für die Gesundheit. Denn nur in diesem Fall hilft sie ein Dritte der Quellen für negativen Stress zu reduzieren.