Schon mal über Wirkung nachgedacht, gnädige Frau?

Dass Andrea Nahles weder ein Kind von Traurigkeit ist, noch ein Blatt vor den Mund nimmt, ist hinlängst bekannt. Kann sein, dass sie ihre Ankündigung am Wahlabend „Und ab morgen kriegen sie in die Fresse“ scherzhaft gemeint hat. Bekanntlich steckt in jedem Scherz aber eben auch ein Quäntchen Wahrheit. Ziehen da am rhetorischen Horizont des Deutschen Bundestags etwa dunkelgraue Wolken auf? Die Formulierung von Alexander Gauland „Wir werden Frau Merkel oder wen auch immer jagen. Und wir werden uns unser Land und unser Volk zurückholen.“ klingt nicht minder bedrohlich und scheint ein weiteres Indiz dafür zu sein, dass der Umgangston in der politischen Landschaft rauher wird. Nicht selten folgen dem Umgangston dann auch die Umgangsformen. Dass ist im Bundestag an sich nichts Neues. Einige meiner Leser werden sich vielleicht noch an die Zeiten von Franz-Josef Strauß, Herbert Wehner und anderen politischen Rauhbeinen erinnern. Da wurde getöst, gepoltert und geschimpft was das despektierliche Vokabluar gerade so hergab. Ohne Rücksicht auf das dadurch vermittelte Niveau geschweige denn auf die eigene Vorbildrolle. Mein Eindruck ist, dass in unserer Gesellschaft auch in diesem Punkt aktuell eine weitere Schere aufgeht: Einerseits erfreut sich der Begriff Wertschätzung einer extremen Beliebtheit. Die Google-Suche weist rund 5,5 Millionen Verwendungen aus. (Im Vergleich dazu: Geringschätzung wird nur rund 390.00 mal gefunden) Landauf landab wird eine Kultur der Wertschätzung  heraufbeschworen und allerorten werden Unternehmens-Werte in teuren Hochglanzbroschüren manifestiert. Gleichzeitig höre ich andererseits im Straßenverkehr die Worte „Arschloch, Wichser, u.v.a.m.“ immer öfter,  beobachte zunehmende Aggressivität auf den Straßen und habe den Eindruck, dass sich auch in den Unternehmen  Neid und Missgunst deutlich schneller ausbreiten, als wechselseitige Wertschätzung.

Wohin wird uns das führen? Oder besser gefragt: Wie wirken wir dem entgegen?

Die erste Frage zu beantworten traue ich mich nicht. Zu trüb ist die Kugel der Wahr- und Weisheit, als dass ich ihr eine klare Vorhersage entnehmen wollen würde. Die Antwort auf die zweite Frage scheint mir jedoch denkbar einfach. Zumindest theoretisch. Der deutsche Philosoph Martin Heidegger hat uns die Erkenntnis hinterlassen „Die Sprache ist das Haus unseres Seins“. Wenn das so ist und wir in diesem Haus alle friedlich miteinander leben wollen, brauchen wir im Grunde nur einen kultivierten Umgang mit dem Kulturgut Sprache zu pflegen. Es sind die Worte, die uns einen oder eben leider allzuoft auch entzweien. „Wenn er die Gedanken des kleinen Raketenmannes wiederholt, werden sie nicht mehr lange hier sein!“ Mr. President lässt grüßen. Der Machthaber in Pjöngjang bezeichnete den US-Präsidenten als einen „geistig umnachteten senilen Amerikaner“, der für seine Rede vor der UN-Vollversammlung „teuer bezahlen“ werde. Weitere Beispiele einer wenig friedvollen Rhetorik ließen sich an dieser Stelle beliebig ergänzen. Nicht nur von diesen beiden Herren. Die Liste der Personen ist lang, deren Umgang mit der Sprache Unheil über die Menschheit gebracht hat. Wie steht es um Sie selbst? Wie oft verwenden Sie Worte, die Sie selbst und Andere vergnügen? Und wie oft kommen Ihnen solche Worte über die Lippen, die Ihr Vis-à-vis verletzen? Häufig höre ich in diesem Zusammenhang den Hinweis, dass alles nur eine Frage der inneren Einstellung und Haltung sei. Wer friedlich fühlt und denkt, wird auch friedvoll sprechen. Dem stimme ich durchaus zu. Gleichzeitig halte ich dem aber auch entgegen: Wer friedvolle Worte wählt, findet auch zunehmend seinen inneren Frieden. Meiner Beobachtung nach ist Beides möglich: Von Innen nach Außen oder von Außen nach Innen agieren. Meine Empfehlung deshalb: Beschäftigen Sie sich doch von Zeit zu Zeit mal mit dem Faszinosum Sprache und ihrer eigenen Beredsamkeit. Die Sprache ist ein großartiges Konstrukt. 26 Zeichen, die abhängig von der ihrer Reihenfolge für Krieg oder Frieden, Hass oder Liebe, Wertschätzung oder Geringschätzung sorgen. Beredsamkeit ist gemäß der der S.C.I.L.Strategie eine von insgesamt 16 Frequenzen, mit denen wir unsere Wirkung in der zwischenmenschlichen Begegnung beeinflussen. Lust auf ein Video dazu?

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